Kritik aus Visions Nr. 94

Warum klingt der Ausdruck ‘Rockmusik aus Deutschland’ eigentlich immer wie eine Phrase, für die man sich im nächsten Satz entschuldigen muss? Oder am besten gleich weiträumig umfährt. Doch mutwillige Konstrukte wie Hamburger (oder ganz neu: Berliner) Schule wollen bei Alles Morgen nicht greifen, und das nicht nur aufgrund ihrer geografischen Heimat Regensburg. Ganz und gar ungezwungen wird hier aus dem Bauch heraus und mit Herzblut gerockt, geschrammelt und gefühlt, ohne kopflos ins Beliebige zu taumeln. ‘Selig mit Geschmack, Stil und Eiern’ lautet das erste Urteil, doch bei Songs wie „Arschloch“ oder „Abzocker“ erweitert die Band ihren Soundkosmos an den Rändern, driftet mal ins Pophafte ab, psychotet dann wieder wie Thomas D in seinen stärksten Momenten. Sachte wird hier der Sound der Moderne ausgeleuchtet, mit zeitlosem Rock ohne Zusatzstoffe angetrieben und mit durchaus lesenswerten und sinnhaften Texten bestückt. Und am Ende steht da eine Band, für die morgen wenn nicht alles, so doch schon eine Menge möglich sein kann.



Kritik aus logo Stadtmagazin Nr. 2/2001

Wenn eine regionale Band mit einem derart provokanten CD-Titel daherkommt, steht auf jeden Fall fest, daß sie Mut hat und wenig Wert auf Konventionen und schon gar nicht auf Kommerz legt. Bei ‘Ficken’ handelt es sich übrigens um die erste Demo-CD von ‘Alles Morgen’, einer Drei-Mann-Band, die Anfangs 1998 gegründet wurde. Was den Sound anbelangt wird uns auf dieser Scheibe Material geboten, das (erneut) ohne auf Konventionen zu achten ganz aus dem Bauch heraus gespielt rüberkommt. Irgendwo im Rock- bis Brit-Pop-Genre angesiedelt, wobei auch HipHop-Anleihen auszumachen sind, präsentieren uns ‘Alles Morgen’ nicht nur ansprechende Musik, sondern auch Texte, die es ganz einfach in sich haben. Einziges Manko ist die Soundqualität, aber die sei verziehen. Echt nicht übel und durchaus interessant anzuhören. Den Jungs sei gesagt: Macht weiter auf dieser Schiene! (mg)



Kritik aus Regensburger Stadtzeitung Nr.2/2001

Porno goes mainstream. Trug man vor drei, vier Jahren noch Müllfahrerkleider, um sich an der Spitze der Hipness zu bewegen, so ist heute alles sexy und Leitbild ist die Gleitkultur. Insofern kann man den Titel des Albums also getrost mal abnicken - auch wenn laut Bandinfo ‘ficken’ im weitesten Sinne verstanden werden soll: so wie sich im Englischen halt die Bedeutung von ‘fuck’ irgendwo zwischen Sexualität und ‘beschissen’ bewegt. Naja, Aufmerksamkeit bringt`s auf jeden Fall mal. Musiklisch dagegen bewegen sich die drei Burschen mit Kontaktadresse in Kötzting (Stefan Zieris - git,voc;Munir Qreini - b;Jürgen Heigl - dr.; allesmorgen@aol.com) in konservativeren Gefilden: Kräftiger Gitarrenrock, johlend und überschäumend, sehr positiv und energisch. Textlich werden Alltagserfahrungen, die weitgehend aus der Beziehungswelt stammen, aufgearbeitet. Das ist zwar keineswegs lyrikpreisverdächtig - aber der Umgang mit der deutschen Sprache gleichzeitig völlig unpeinlich und musikalisch. Im Bandinfo nennen die Mercedes-A-Ward-Sieger in der Sparte Indie von `99 als Einflüsse dementsprechend Selig - was auch deutlich zu hören ist. Häufig verzerrter Gesang, scharfe Scheibrennergitarren - mit ab und zu Synthisoße drüber. das Ganze ist sehr gefällig und findet auch Anklang - so sind ‘Alles Morgen’ zuletzt mit ihrem Titel ‘In deinermeiner Welt’ auf dem Visions-Sampler vertreten gewesen. (PeG)



Kritik von German Rock e.V.

Die parallelen zu diversen Bands der sogenannten Hamburger Schule sind sehr gut hörbar. Selig z.B. oder auch die Jünger könnten problemlos bei Ficken Pate gestanden haben, sowohl was Melodik, als auch Interpretation und unverblühmte deutsche Texte angeht. Und so ist es mir ziemlich wurst, ob die drei Urheber nun aus Hamburg oder Regensburg stammen. Denn Schubladisierung hin wie her - es gibt ihn, den typisch deutschen Alternativ-Stil; und er hat einen Namen. Nachdem ihr nun wisst, mit was ihr zu rechnen habt, braucht ihr noch lange nicht glauben, so was Ähnliches stünde schon in euerem Plattenschrank. Wem Selig zu berechenbar und Tocotronic zu abgedreht waren, dürfte - wenn auch mit Verspätung - ein Mittelding gefunden haben. Alles Morgen stehen für packende Songs mit einem Schuss Experiment drin. Anleihen aus Ami-Grunge oder HipHop finden sich ebenso wie Filmzitate. Die Mischung aus Sauertopf und Aggress stimmt. Das Album wie auch die meisten Stücke funktionieren unglaublich gut. Ficken macht Spaß. Diese nicht nur als Debüt fetzig geratene Scheibe erhaltet ihr bei: Munir Qreini, Dorfstr.6, 93186 Pettendorf, allesmorgen@aol.com (Jürgen Hornschuh)